Wie ich einmal entschloss Poetry Slammerin zu werden und woran ich scheiterte

Ich habe mich nach reichlicher Überlegung und geschätzten 142 Stunden auf youtube, nun dazu entschlossen mich auch einmal in die Gefilde des Poetry Slams hinaufzuwagen, meine Niveaulosigkeit in dem See des Intellekts zu ertränken, mit spitzer Zunge und gegebenenfalls auch Feder etwas Poesie zu wirken. Gedanken zu formulieren, berühren, streifen die manche Menschen vielleicht noch nie auf diese Art und Weise gedacht haben, wahrscheinlich Ich selbst am allerwenigstens. Deshalb will gut überdacht sein was ich schreibe denn mein literarisches Ehrgefühl verbittet mir einfach, wie ich das für gewöhnlich zu tun pflege, mit Wörtern und Sätzen und Gedanken und Eindrücken so um mich zu hauen das jeder Leser, mich eingeschlossen, meint jemand hätte eine Stange Dynamit zwischen seine Ohren gepflanzt und entzündet. Aber über was soll ich schreiben?

 

Das war die Frage die mich lange beschäftigt hat. Es sollte etwas sein was die Leute zum Lachen bringt. Es sollte mir die Freiheit geben meine spitze Zunge im vollen Maße zu entfalten und dabei meine böswillige, lästerbegeisterte Art dennoch in einem humorvollem und liebenswerten Licht erscheinen lassen.

 

Natürlich durfte ich mich nicht über bekannte Personen lustig machen, weil es braucht manchmal nur 2 Stunden um 156 Hass- Emails von verärgerten Fans zu bekommen. Stars waren zu spezifisch. Das kam nicht in Frage.

 

Sich über Personen lustig machen die ich sehr gut kenne war auch nicht ratsam, schließlich würde ich gern weiterhin bei meinen Eltern wohnen, meine Freundinnen behalten und von großen wütenden Brüdern verhauen zu werden sehe ich ebenfalls nicht als angenehm an. Außerdem würde das Publikum manche Witze dann nicht verstehen weil es die besagten Personen zu 99% ja nicht kennt.

 

Witze über ganze Völkergruppen, nun das kommt drauf an über welche. Aber da ich sehr harmoniebedürftig bin und es mir noch nicht einmal mit einzelnen Menschen gern verderbe will ich natürlich nicht gleich ganze Gruppen gegen mich haben. Außerdem ist inzwischen fast jede Gruppe eine Minderheit und ich weigere mich Minderheitenwitze zu machen.

 

Ich könnte allerdings Personen erfinden, sie mit Charaktereigenschaften meiner Freunde versehen, sie so verallgemeinern das sie augenscheinlich auf ein Verhaltensmuster einer ganzen Gruppe von Menschen zutreffen und das alles ironisch ein wenig auf die Schippe nehmen. Aber ganz ehrlich, das wäre ja mal so etwas von total langweilig.

 

Ich könnte es wie Andy Strauß machen, lauter abgewrackte, gestörte Protagonisten in abgefahrenen Storys die als Gesellschaftskritik funktionieren.

Na ja skurille Personen sind definitiv mein Ding aber Gesellschaftskritik? Ich weiß ja nicht.

 

Oder ich mach es wie Sebastian 23. Schreib einfach lustig über Dinge die mir gerade einfallen, spiele mit der Sprache, mache Musik dazu und bin einfach mal nett.

Ganz ehrlich? Neeeeee  das ist auch nichts für mich.

 

Oder ich mach es wie Marc Uwe Kling. Der wohnt mit einem sprechenden Känguru zusammen das Kommunist ist, beim Vietcong war, ein absoluter Schnorrer ist und total auf Nirvana steht.

Ich könnte mit einer kleinen pinken Katze zusammenleben die Feministin ist, immer und überall für Weltfrieden betet und demonstriert, immer meine Sachen mitbenutzt und die total auf Deutsch-Rock steht. Allerdings nur auf Bands in denen eine Frau singt oder deren Texte für Weltfrieden sind.

Klingt an sich ja wirklich nicht schlecht aber wäre irgendwie ein ziemlich mieser Ideenraub oder?

 

Oder ich könnte dichten. Schließlich sind nicht alle Slam Texte Prosa sondern manche auch in Reimform. Immerhin hab ich mal einen Wettbewerb mit einem Gedicht gewonnen, gut ich war elf, aber wieso eigentlich nicht? Dann habe ich allerdings ein paar meiner bereits verfassten Gedichte gelesen. Ganz klar: Darum nicht!

 

Kurz dachte ich, ich könnte Texte über diese liebenswürdigen Spinner und Freaks schreiben die ich meine Freunde nenne. Aber wie gesagt die will ich dann doch lieber behalten und so lasse ich  auch das.

 

Und dann beschleicht mich das Gefühl, da man ja ohne Texte nicht Poetry Slammer sein kann, das ich diese Idee erneut verwerfe und meinen guten alten Fanfictions treu bleibe.

Allerdings nur bis ich eine Idee für einen Text, oder mehrere habe, oder bis mir einfällt was man mit einer feministischen, Deutsch- Rock- hörenden, weltverbessernden pinken Katze alles erleben könnte.

 

Es grüßt und küsst sie zur Nacht

(ihr) the very poor sheep
 
Ps: Wieso eigentlich Katze? Schaf wäre doch viel cooler.

3.3.10 21:14

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